Das kleine Grosz Museum

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Bülowstraße, 18
10783 Berlin
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Preise: 10 € – ermäßigt 6 €
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Öffnungszeiten

Mo+Do
11 - 18:00 Uhr
Fr
11 - 20:00 Uhr
Sa+So
11 - 18:00 Uhr
Grosz aufm Dach

George Grosz auf dem Dach des schwiegerelterlichen Hauses Savignyplatz 5, 1928 (Photographie: Lotte Schmalhausen)

Grosz aufm Dach

„Passanten, Berlin“ 1926 (Aquarell, Rohrfeder und Feder mit weißer Höhung auf Papier 51,9 x 63,4 cm)


Ausstellungen

1. Ausstellung

„Schreiben Sie doch bitte Grosz statt Gross“

13.05. – 17.10.2022

Wie aus Georg Ehrenfried Gross der politische Künstler George Grosz wurde

Es ist das erste Mal, dass eine Ausstellung dem Frühwerk von George Grosz gewidmet ist. Und wenn man es genau nimmt, steht damit nicht George Grosz im Fokus, sondern Georg Ehrenfried Gross – so der Geburtsname des Künstlers, den der junge Künstler in seinen frühen Jahren auch gern als „Groß“ zu Papier brachte. Es zeigt mit brillanten, überraschend reifen zeichnerischen Werken des Kindes und Jugendlichen den Weg von Georg Ehrenfried Gross zu George Grosz Anfang der 20er Jahre.

Dass die frühen Jahre von besonderer Bedeutung sind, bezeugen zwei Schriften, die bereits 1929 und 1931 einen Blick zurück warfen, und zwar nicht etwa von Kunstkritikern oder Museumsleuten. Es war der Künstler selbst, der – gerade einmal Mitte dreißig – seine Kindheit, Jugend und Studienzeit für zwei Zeitschriften als Jugenderinnerungen ausführlich Revue passieren ließ. Aus den Texten geht deutlich hervor, dass ihm seine frühen Werke nicht Dokumente einer etwaigen Vorzeit zum Künstlersein waren, sondern dessen eigentlicher Beginn. Sie sind das erste Kapitel einer großen Künstlererzählung, deren bester Erzähler er selbst war – wie später auch in der Autobiografie Ein kleines Ja und ein großes Nein – Dramatisierungen eingeschlossen.

Die Ausstellung zeichnet den Weg des jungen Gross binnen zehn Jahren vom Besuch seines ersten Zeichenkurses in Stolp über das Studium an der Dresdner Akademie zum Diplom an der Kunstgewerbeschule in Berlin und spannt den Bogen bis zur Kleine Grosz Mappe aus dem Jahr 1917.

Die Ausstellung zeigt, der junge Grosz tobt sich in diesen Jahren stilistisch und motivisch geradezu aus. Er beginnt die vielfältigen Eindrücke der Großstadt zu spiegeln und hat dabei das gesamte Spektrum der Gesellschaft im Blick. Er zeigt niedere und höhere Gesellschaftsschichten, Moral und Amoral, Liebe und Gewalt. Und Schritt für Schritt beginnt er, diese Extreme zu hinterfragen und Querverbindungen zu ziehen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

2. Ausstellung

1922: George Grosz reist nach Sowjetrussland

23.11.2022 – 31.03.2023

Die zweite Ausstellung widmet sich zum hundertjährigen Jubiläum einer besonderen Reise, die George Grosz 1922 nach Sowjet-Russland unternahm. In seiner Autobiografie wie auch in der Fachliteratur sind nur wenige und noch dazu sich mittlerweile als unzutreffend herausstellende Angaben zum Anlass, zu den Begegnungen und zu den Erlebnissen, die Grosz in St. Petersburg und Moskau während der immerhin 4 Monate dauernden Reise widerfuhr, enthalten. Obwohl Grosz sein Leben lang sehr produktiv war, unzählige Skizzenbücher füllte und ständig Zeichnungen herstellte, gibt es so gut wie kein Kunstwerk aus dieser Phase. In der späteren Betrachtung wird die Reise allgemein als Auslöser für eine Abkehr vom Kommunismus im Folgejahr 1923 interpretiert.

Gemeinsam mit dem Willi Münzenberg Forum Berlin hat der Trägerverein zum Verlauf dieser Reise in verschiedenen Archiven und Sammlungen nachgeforscht und zeichnet in bisher nicht gezeigten Dokumenten Anlass, Begleitumstände, Hintergründe und Ereignisse dieser Reise nach.

Die ausgestellten Grosz-Werke stammen aus verschiedenen Privatsammlungen und öffentlichen Institutionen sowie dem Nachlass des Künstlers.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Ausblick

Für 2023 ist die Ausstellung The Grey Man Dances – George Grosz‘ „Stickmen“ geplant.

Sie zeigt die letzte große Serie als künstlerische Reaktion zum Abwurf der Atombomben über Japan und dem aufziehenden Kalten Krieg, in der George Grosz die die apokalyptischen Zustände einer post-nuklearen Welt heraufbeschwört.

George Grosz – Kochschule

„Cooking Classes“ 1958 (Collage auf Papier, 40,5 x 36,5 cm)

George Grosz – Passanten

„Passanten, Berlin“ 1926
(Aquarell, Rohrfeder und Feder mit weißer Höhung auf Papier 51,9 x 63,4 cm)

George Grosz – Zigarre

„Ich will alles um mich herum ausrotten, was mich einschränkt, dass ich nicht Herr bin“ 1922
(Zeichnung für Blatt 1 der Mappe “Die Räuber“ von 1922, Tuschpinsel, Rohrfeder, Feder und Tusche ge- spritzt auf Papier 62,7 × 49,8 cm)

George Grosz – American Couple

„American Couple, New York“ 1932
(Aquarell auf Papier, 62,5 × 43,1 cm)

George Grosz *1893 †1959

Georg Ehrenfried Groß geboren im Juli 1893 in Berlin. Gestorben 1959 als George Grosz in Berlin.

Dazwischen ein Künstlerleben geprägt von seiner Stadt, aus ihr als entartet vertrieben und doch noch einmal zurückgekehrt.

Im Mai 1916 montiert dieser Groß gemeinsam mit dem zwei Jahre älteren Helmut Herzfeld die erste Fotomontage. Da ist DADA in Zürich gerade drei Monate alt. Aus Groß und Herzfeld werden wenig später der PropaganDa-Da George Grosz und der MonteurDaDa John Heartfield. Als dritter gesellt sich wenig später Heartfields jüngerer Bruder, Wieland Herzfeld(e), dazu. Mitten im Ersten Weltkrieg bietet ab März 1917 der gemeinsam gegründete Malik Verlag den Bildern George Grosz in Mappen und Büchern ihre künstlerische und politische Bühne. Ab diesem Zeitpunkt blickt er mit hartem Strich hinter die brüchige Fassade des Bürgertums und entlarvt das reaktionäre Wesen der Eliten nach dem verlorenen Krieg.

Von Berlin aus reist er 1922 nach Sowjetrussland, um die neue Zeit und Lenin zu treffen. Später wendet er sich vom organisierten Kommunismus ab und bleibt doch mit seiner Kunst für die Massen unnachgiebiger Kritiker der herrschenden Verhältnisse.

Aus seinem Berlin vertreiben ihn 1933 die Nationalsozialisten, vor deren „Führer“ und dessen Unterstützern er bereits seit Anfang der zwanziger Jahre warnte.

Nach Berlin kehrte er schließlich 1959 noch einmal zurück. Desillusioniert von Amerika, wo er zu einem der zehn bedeutendsten amerikanischen Künstler gekürt worden war. Aber er bleibt heimatlos.

Dieser Grosz ist vielleicht der wichtigste Künstler, den diese Stadt hervorgebracht hat. Mit Sicherheit ihr wirkmächtigster künstlerischer Chronist und Porträtist in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

George Grosz – The Menace

„The Menace“ 1934 (Aquarell auf Papier, 61 x 44,5 cm)

Das Museum

Die Bülowstraße: in der Mitte die U-Bahn als Hochbahn, die Straße gesäumt von aneinandergereihten, mehrgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern – und plötzlich ein Bruch. Hausnummer 18. Das Grundstück ist von einer zwei Meter hohen weißen Mauer eingefasst, über die Kirschsträucher, Bambus und mehr als ein halbes Jahrhundert alte Kiefern emporragen. Was sich dahinter verbirgt, ist nur zu ahnen.

Hier hat Das Kleine Grosz Museum sein Domizil in einer spektakulär umgebauten Tankstelle mit herrlich schwungvollem Freidach vom „Standardtyp der Shell AG von 1956“– eine Alltagsarchitekturikone der Nachkriegszeit.

Das Gebäude in der Nähe des Nollendorfplatzes liegt inmitten des Stadtgebiets, das den Kosmos von Grosz und seiner Kunst prägte. In diesem Quartier erlebten die Berliner das verrückte Jahrzehnt zwischen niedergegangenem Kaiser- reich und aufziehender Diktatur. Im Theater am Nollendorfplatz feierte er seine größten Triumphe als Bühnenbildner für Erwin Piscator und andere bedeutende Theatermacher der Weimarer Republik. Einen Katzensprung entfernt, im „Berliner Sportpalast“, rief Joseph Goebbels 1943 den „totalen Krieg“ aus. Heute hat sich an der nahen Potsdamer Straße die internationale Galerienszene eingerichtet, an deren Ende entsteht die Erweiterung der Neuen Nationalgalerie, in der eines bekanntesten Hauptwerke von George Grosz, „Die Stützen der Gesellschaft“, zu sehen sein wird.

Foto alte Tankstelle

Außenansicht alte Tankstelle

Der Schweizer Galerist und Sammler Juerg Judin machte vor gut zehn Jahren aus der alten Tankstelle ein Wohn- und Atelierhaus, das internationalen Ruf erlangte und das 2009 einen Architekturpreis erhielt. Einige Jahre fanden hier an der Bülowstraße Kunstereignisse und Ausstellungen statt. Juerg Judin stellt nun dieses Gebäude für Das Kleine Grosz Museum zur Verfügung. Für diesen Zweck wurde es seit 2021 umgebaut.

In der ehemaligen Werkstatt befindet sich nun der Empfang des Museums, an den sich im ehemaligen Verkaufsraum ein kleines Café anschließt. Östlich befindet sich der zweigeschossige kantige langestreckte Neubau an, der an gestapelte Container erinnert. Im Erdgeschoss begrüßt eine einführende, multimediale Dauerausstellung in Leben und Werk an Hand von Fotografien, Originaldokumenten, digitalen Informationen und Werken sowie beispielhaften Originale die Besucher. Im Obergeschoss präsentieren sich die jeweiligen aktuellen Ausstellungen.

Das Kleine Grosz Museum ist durch den öffentlichen Nahverkehr optimal erschlossen.

Foto innen Ausstellung

Innenansicht Ausstellungsraum

Mehr zur „Tankstelle“ findet sich im reichbebilderten Beitrag von Thomas Brakel in dem Band „Zwischen City West und Dorfanger. Stadtentwicklungsplanung in Tempelhof-Schöneberg 1990-2020“, den das Bezirksamt im vergangenen Jahr herausgegeben hat.

Rendering Schnitt

Blick ins Innere

George Grosz in Berlin e.V.

Träger des Museums ist der 2015 gegründete Verein George Grosz in Berlin e.V. - in dem sich engagierte, an Kunst und Zeitgeschichte interessierte Menschen unterschiedlicher Profession zusammengefunden haben.

Es liegt in Biografie und im Werk begründet, dass George Grosz in deutschen Museen deutlich untervertreten ist. Der Nationalsozialismus und seine unsägliche Kulturpolitik haben zur Entfernung seiner Werke aus den damaligen institutionellen Sammlungen geführt. Privatsammlungen von ins Exil getriebenen oder ermordeten Sammlern sind unwiederbringlich zerstört. Dieser Verlust ist bis heute in den Sammlungsbeständen spürbar und kaum mehr zu heilen. Berliner Museen haben nach 1945 zwar einige bedeutende Einzelwerke für ihre Sammlungen erworben. Für das umfassende Verständnis dieser Stadt als Ausgangsort der fatalsten Krise der Menschheitsgeschichte fehlt es jedoch am Ort und am Bestand für die Auseinandersetzung mit einem ihrer hellsten Akteure, seiner Bedeutung für die Stadt und für die (Kunst-) Geschichte.

Der Verein ist bestrebt, diese Lücke zu füllen, um diesem Künstler, seinem Schaffen und seiner Zeit mit privater Initiative und fachlicher Kompetenz kurzfristig einen Kristallisationsort in Berlin zu schaffen. Dabei soll das Museum nicht einer Historisierung eines Künstlers dienen, sondern seiner streitbaren Persönlichkeit adäquat den lebendigen Austausch zwischen den Generationen und politischen Lagern fördern und sich den gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart stellen.

Im privaten Nachlass verbliebene Werke, einige bedeutende, dem Museums-Projekt zugewandte Privatsammlungen und der weitgestreute Bestand an Werken in deutschen Museen, bilden den reichen Fundus, der in thematischen Ausstellungen das Werk von George Grosz zusammenführen soll.

Für die fachliche Kompetenz steht insbesondere die Person des Vorsitzenden des Vereins, Ralph Jentsch, dem Verwalter des privaten Grosz-Nachlasses und Herausgebers eines ersten Werkverzeichnisses.

Die Museums-Initiative ist jedoch gleichzeitig ein Aufruf an alle öffentlichen Institutionen und engagierte Privatpersonen, die dauerhafte Sichtbarmachung dieses Künstlers in und für diese Stadt zu unterstützen.

Diesem Aufruf sind als Förderer bereits gefolgt:

Exklusive Förderer

Matthias Druba,
Rechtsanwalt (Berlin)

Kemper Rechtsanwälte

Besondere Förderer

Kompass Wohnen

Stiftung MÜNZENBERGS ERBEN

Förderer

Mayen Beckmann (Berlin)
Gil Bronner (Düsseldorf)
Dahm Architekten+Ingenieure GmbH (Berlin)
Hirsch&Lorenz Ingenieurbau GmbH (Berlin)
Dr. Florian Kaizinger (Berlin)
kappes ipg GmbH (Berlin)
Dr. Daniel Krause (Berlin)
Weberbank AG

Spendenaufruf

Der Trägerverein des „kleinen Grosz Museums“, der George Grosz in Berlin e.V., ist auf private Spenden angewiesen, da die Einrichtung und der Betrieb des Museums durch keinerlei institutionelle Förderung unterstützt werden. Eine private Initiative hat das Museum ins Leben gerufen – und will es natürlich am Leben erhalten. Jede Spende ist uns daher herzlich willkommen!

Alle Details zu Spenden und Vorteilen der besonderen Förderung (PDF-Dokument)

Spendenkonto

Kontoinhaber: George Grosz in Berlin e.V.
Kontoverbindung: Berliner Sparkasse
IBAN DE 79100500000190501685

Nächtlicher Überfall

„Nächtlicher Überfall“ 1912
(Tuschpinsel, Kreide und Feder auf Papier, 20,8 x 31,2 cm)

Kontakt

Das kleine Grosz Museum

Bülowstraße, 18
10783 Berlin
info@daskleinegroszmuseum.berlin

Träger

George Grosz in Berlin e.V.
Kurfürstendamm 36
10719 Berlin

Pressekontakt

David Ulrichs
david@davidulrichs.com
+49 176 50330135

Impressum

George Grosz in Berlin e.V.

Kurfürstendamm 36
10719 Berlin

Vorstand:
Ralph Jentsch (Vorsitzender), Ralf Kemper (2. Vorsitzender), Timon Meyer (Schatzmeister)

Eingetragen in das Vereinsregister des AG Charlottenburg VR 34665 B

George Grosz © Estate of George Grosz, Princeton, N.J./VG Bild-Kunst, Bonn 2021

Alle Rechte vorbehalten